Luisenhof bei Chemnitz

 

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Die Fahrt vom Schellehof zum Luisenhof habe ich wohl etwas unterschätzt. Die über 140 km durchs Erzgebirgsvorland haben mich inkl. Pausen 12 Stunden Fahrt gekostet. Dieser Weg entlang der „wilden Weißeritz“ von Rabenau nach Tharandt entpuppte sich nach etwa 2 km als sich immer weiter verengender Pfad. An diesem Tag habe ich mehrmals die schlechte Ausschilderung der Radwege verflucht. Mein Radkarte vom ADFC im Maßstab 1:150.000 ist da oft nur eine Hilfe, wenn wenigstens ausgeschildert ist, wie das nächste Dorf heißt. Dafür traf ich durchweg nur auf nette hilfsbereite Sachsen.

 

1. Objektive Daten

# Rechtsform: Mittlerweile läuft die Solawi als ein Zweckbetrieb der Pädagogik des gemeinnützigen Hofvereins. Einnahmen aus der Pädagogik sind höher als die der Solawi. Der Luisenhof e.V. betreut Kinder, die mit dann mit auf dem Hof leben. http://www.luisenhof-gemeinschaft.de/

# Fläche: 1ha Gemüse inkl. Gründüngung, zwei mal 15*9m Folientunnel und ca. 2000m² Kartoffeln, etwa übrige 2,5 ha Acker, 3-4ha Weide (Kaum Futterzkauf, nur Teilstrohzukauf)

Davon sind insgesamt 2ha Eigentum des Vereins, der Rest ist gepachtet, Kauf wird angestrebt um wirklich ökologische Landwirtschaft betreiben zu können z.B. Hecken pflanzen zu können und nicht mehr vor der Agrargenossenschaft kuschen zu müssen.

# Gärtner_Innenteam: Zwei Hauptamtliche Gärtnerinnen mit je 25h, +Ein Lehrling.

# Die Arbeitszeit schwankt stark, ist aber weiter gesunken. 25 Stunden reichen aber oft nicht aus.

# Finanziert durch Mitglieder: 45€ Durchschnitt, Mitglieder müssen zwischen 40-50€ zahlen, keine Bietrunde. Im Herbst/Winter werden teilweise Lagergemüseübeschüsse über Großmarkt und Foodassembly verkauft, da noch mehr Mitglieder gebraucht werden. 2 Gärtnerlöhne + Investitionen werden dadurch abgedeckt. Pferdegeräte finanziert Gärtnerin selbst. Mindestlohn.

Ausnahmebeispiel: Als unerwartet eine neue Pumpe angeschafft werden musste konnten Kosten durch die Zahl der Mitglieder geteilt werden und jeder zahlte einmalig 50€.

Der Hof zahlt für seine eigene Gemüseentnahme.

# Versorgt werden 60, angestrebt sind 75 Anteile noch dieses Jahr, danach bis 85

# Anteilsgröße: für 1Person +Kind für eine Mahlzeit pro Tag

# Besteht seit 2012 (Hof besteit seit 2009)

# Organisation: Einjährige Mitgliederversammlung mit Rückblick und Ausblick. Der Etat des Vorjahres wird abgeglichen mit tatsächlichen Umsatz und der neue vorgestellt. Austausch über mögliche Veränderungen bei Arbeitseinsätzen. Entscheidungen werden von den Gärtnerinnen getroffen.

# Maschinisierung: In der Gärtnerei hauptsächlich Pferdearbeit (Gänsefuß-(Vielfachgerät) und Pendelhacken, Häufler, Heuwender, Knickwalze, Holzwalze, Pflug, Saatbeetkombination, Grubber, Egge, Rodepflug) und Handarbeit. Es wird alles auf Dämmen angebaut. Bei sehr ungünstigen Wetterverhältnissen oder extremen Arbeitsspitzen kann auch der Traktor (ein kleiner Furgoson) des Hofes genutzt werden. Kompost wird mit dem Traktor/ Miststreuer ausgebracht.

# Bewässerung: (arbeitsaufwendig und nicht optimal) – Ein Kreisregnerstrang für 10*40m zum umstellen, Versuch wenig zu wässern.

# Lagerung: 2 Keller und ein kühler Verteilstationsraum

# Verteilstationen: Eine in Chemnitz und eine auf dem Hof

# Boden: sandiger Lehm

# Azubis: bisher keine

# Welche Faktoren begünstigen die Stabilität der Solawi? – Was verringert die Burnoutfaktoren, bzw. was sind die Burnoutfaktoren?

In der Vergangenheit war die Gärtnerin sehr gestresst dadurch Verantwortung für alles zu haben. Ihr Erkenntnis ist, dass ein kleine Solawi mit kleiner Fläche trotzdem viel Kommunikations- und Verwaltungsaufwand hat. Die Werbung neuer Mitglieder, die Kommunikation mit den Mitgliedern und die Büroarbeiten neben dem Gärtnern sind die größten Stressfaktoren. Mehr als zwei Stellen sind sinnvoll.

Stress entsteht für die Gärtnerin durch

…die Nichtaufteilung von Verantwortungen (Totalüberblickszwang)

…fehlenden Urlaub von min. drei Wochen am Stück

…die Alleinige Verantwortung in der Rechtsform: Vor allem als Gärtnerin damit alleine war

…Dinge wo man die Verantwortung hat aber keine Ahnung und zu wenig innere Motivation das zu verändern

…eigene körperliche Grenzen, es stresst diese festzustellen weil die Arbeit die vor einem liegt dann nicht bewältigbar scheint

Stress

Wann empfindest du den meisten Stress? Wenn Kinder krank werden. Auch durch die nicht-Trennung von arbeits- und Wohnort (kann aber auch erleichtern)

Mitglieder: Fehlende Initiative bei der Selbstverwaltung, z.B.: bei Aufteilung des Gemüses,

oder Hilfeangebote auf Eigeninitiative

Welche Umstände verringern ihn?

Durch Hilfe von Mitarbeiterin auch im Privaten, ausgehen, tanzen!

Habt ihr schonmal Supervision oder Mediation gemacht? Wie häufig?

Jein. Innerhalb der Gärtnerei nicht. Auf dem Hof haben Bekannte des Hofes sich als Mediator probiert. Frau war dar und hat Gewaltfreie Kommunikation probiert. Supervision oder Mediation von Außen bisher abgelehnt.

Etwas Reflexion von außen durch Regionalgruppe.

Verantwortung

Wie wird Verantwortung aufgeteilt? Folientunnel+Buchhaltung+Jungpflanzenanzucht/ Freiland+Grundbodenbearbeitung

Teilweise wird aber auch in anderen Bereichen des Vereins geholfen (z.B: Milchverarbeitung der Hofrinder, Pflügen der landwirtschaftlichen Ackerfläche)

Körperlicher Verschleiß – Wie geht ihr mit der harten körperlichen Arbeit um?

Feldenkreis

Auf Pferdegeräte umsteigen wo man drauf rumsitzen kann

Wünsche/ Botschaft

„Suche Ersatzteilspender für neue Wirbelsäule“

Mechaniker, der Geräte umbaut (z.B. Sitze drauf)

Gleichgewicht von Produktion und sozialer Arbeit

Mehr Lust auf soziale Arbeit (z.B. Mitarbeit von betreuten Kindern vom Hof. Bisher passiert das „nur“ ab und zu)

 

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Mein Arbeitsplatz mit Blick auf einen Pferdearsch
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Olli und Karin beim Geschirr anlegen.
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Karin arbeitet mit Mutter-(hinten) und Tochterpferd.
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Ein Raum mit Karin im schönen neu restaurierten Rosenhof, in den ein Teil der Gemeinschaft umgezogen ist.
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Holzschnitzel mit Lehm als Dämmung auf dem Rosenhof
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Olli und die alte funktionierende Bandsäge…
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…aus leipziger Produktion, vorgestellt auf der Weltausstellung 1900 in Paris.
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Der Neid packt mich 😉 Ein alter Kohlhobel…
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mit seitlicher Kurbel, der unsere Sauerkrautproduktion sehr erleichtern könnte…
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Olli und ich verpassten dem „neuen“ Heuwender einen Schutz damit Karin nicht über ihre Pferde fliegt wenn sie wieder zu rasant bremst…
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Die Aufnahme für die Deichseln habe ich so gebaut, dass die Deichsel nach dem Entfernen des mittleren Holms durch lösen der Flügelschraube, seitlich verrückt und rausgenomen werden kann. So ist sie steif im angebauten Zustand.
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Die reparierte Vollbeet-Pendelhacke
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Vorne: das bereits gewendete Heu liegt schön gleichmäßig verteilt, direkt dahinter sieht man das noch nicht gewendete krause Heu. Im Hintergrund: Karin dem Heuwender
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Die vom Lehrling im Winter gebastelte Knickwalze. Mit ihr kann man beispielsweise über eine ährenschiebenden Roggenbestand fahren um den Roggen umzuknicken ohne ihn abzuschneiden. Dadurch pumpen die Wurzeln die letzte Energie vergeblich nach oben und der hartnäckige Roggen stirbt ab. Danach kann direkt in den Lebend-Mulch hineingepflanzt werden.
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Ein Häufler mit einem Häufelschaar mit Stangen. Damit kann einem verschmieren der Erdoberfläche vorgebeugt werden.

Karin’s Kommentar: „Wir bauen auf Dämmen an, weil es vor allem für alle späteren arbeiten ( hacken, häufeln) für das Pferd einfacher ist den „Weg zu finden“, gleiches gilt für Schulklassen und Zu betreuende Menschen die Hin und Wieder im Gemüse mithelfen!
Hier seht ihr quasi die Beet Vorbereitung für die Kohlpflanzung, das Saatbeet ist nicht so optimal was aber NICHT an der Pferdearbeit liegt sondern an der Vorkultur ( Kleegras welches durch Rinderbeweidung starke Trittschäden hatte, dadurch zu stark verdichtet wurde und dann auch erst ( wegen des schwierigen Herbstes 2016) Anfang April Gepflügt wurde ( das Kleegras hatte also gar keine Zeit sich richtig umzusetzen da auch noch eine Trockenperiode folgte)…..
und ja…………bei der Anspannung…der Zugstrang ist verdreht das ist nicht korrekt….ein Dilemma bei der Arbeit hier….die ständige Improvisation bei den uralten Pferdegeräten und der Pferdegeschirren…“

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Die beiden Folientunnel mit Waschplatz davor
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Das Anzuchthäuschen im Folientunnel schützt die von Sarah herangezogenen Jungpflanzen doppelt vor Frost
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Gurken, Paprika und bereits stattliche Stangenbohnen
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Die mit Pferd und Häufler angelegten Dämme
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Die Saatbeetcombi
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…die Vollbeet-Gänsfußhackschaare lassen sich hoch klappen vom Sitz aus.

3 Kommentare zu „Luisenhof bei Chemnitz

  1. go Karl – go

    ich lese gespannt mit und freue mich über Deinen Bericht – weithin viel Kraft und Erfolg
    der Micha (Solar- und PumpensteuerungsMicha)

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  2. ola` Karl!
    sehr erheiternd dein Bericht über uns ;)…..aber wo ist das Bild vom Vielfachgerät im Einsatz ( Dämme ziehen)….???
    für alle die sich das kleine Video angucken!
    Das Pferd war das erste mal vor dem Gabelheuwender, deshalb wirkt alles noch etwas unflüssig ( der Gabelheuwender ist nochmal eine besondere Herausforderung für ein Pferd, da er zum einen ungebremst ist ( das Pferd selbst bremsen muß und wir haben hier kein! Flachland), die Gabeln sind zudem erst einmal ungewöhnlich laut und das fliegende Gras ist nicht unbedingt Nerven beruhigend…..Aber wir hoffen das wir nach der ersten „richtigen“ Heuernte dieses Jahr „alte Hasen“ sind!!!
    Dir Karl wünsche ich noch viele wunderbare Momente……………………ich bin gespannt auf weitere Einträge !!!

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  3. haha , also hier noch ein Kommentar zum Video mit dem Vielfachgerät beim Dämme ziehen!
    Wir bauen auf Dämmen an, weil es vor allem für alle späteren arbeiten ( hacken, häufeln) für das Pferd einfacher ist den „Weg zu finden“, gleiches gilt für Schulklassen und Zu betreuende Menschen die Hin und Wieder im Gemüse mithelfen!
    Hier seht ihr quasi die Beet Vorbereitung für die Kohlpflanzung, das Saatbeet ist nicht so optimal was aber NICHT an der Pferdearbeit liegt sondern an der Vorkultur ( Kleegras welches durch Rinderbeweidung starke Trittschäden hatte, dadurch zu stark verdichtet wurde und dann auch erst ( wegen des schwierigen Herbstes 2016) Anfang April Gepflügt wurde ( das Kleegras hatte also gar keine Zeit sich richtig umzusetzen da auch noch eine Trockenperiode folgte)…..
    und ja…………bei der Anspannung…der Zugstrang ist verdreht das ist nicht korrekt….ein Dilemma bei der Arbeit hier….die ständige Improvisation bei den uralten Pferdegeräten und der Pferdegeschirren…
    Liebe Grüße, ich hoffe der Kommentar hat jetzt nicht den Rahmen gesprent!

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