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Station II – Auf dem Schellehof

Auf dem Schellehof, bzw. Sternenhof war ich vom 16.5.-23.5.2017. Der Hof hat zwei Hofstellen. Ich habe mich dabei hauptsächliche auf den Betriebszweig der Gärtnerei konzentriert.

1. Objektive Daten

# Rechtsform: Der Betrieb ist als GbR organisiert, wobei zur Zeit nur zwei Leute in der der GbR sind, sich aber mehr gewünscht werden. Die Abnehmer sind in einem Verein namens „Lebenswurzel“ organisiert.

# Fläche: ca. 50 ha, die der GbR gehören. Darin enthalten ist Weideland, landwirtschaftliche Ackerfläche (Getreide) und 2ha Gemüse (wobei in der Dammkulturanbauweise ein 1,5 facher Flächenbedarf besteht im Vergleich zur Beetkultur), + Kartoffeln auf extra Fläche.

# Gärtner_Innenteam – 3 Stellen, wobei eine noch in der Landwirtschaft arbeitet, Dazu ein Praktikant und ein freiwilliges ökologisches Jahr Absolvierender. Kein/e ausgebildete/r Gärtner_in im Team. In der Landwirtschaft arbeiten noch zwei Leute und im Büro auch noch eine Arbeitskraft. Das Ausfahren der Lieferung wird von einem Mitglied übernommen.

# Die Arbeitszeit der Gärtner_Innen liegt planmäßig bei 40 Stunden. Überstunden sind die Regel.

# Finanziert wird alles durch 6 Vollzeitstellen gegen Mindestlohn, die im Jahresetat der Kooperative veranschlagt sind. In einer Bietrunde legt jedes Mitglied seinen finanziellen Beitrag frei fest. Eine der 6 Vollzeitstellen (Landwirt) ist nicht besetzt.

# Versorgt werden 150 Portionen, der Verein Lebenswurzel hat 200 Mitglieder.

# Besteht seit 2013? Vorher Demeterhof

# Organisation: Im Verein werden Entscheidungen auf einer Versammlung getroffen. Absprachen in der Landwirtschaft/Gärtnerei werden nach Bedarf abgehalten. (Regelmäßiger Termin durch Schaffensdruck verhindert?!)

# Maschinisierung: ein Fendt Schlepper (Geräteträger) für die Bodenvorbereitungsarbeiten, Dammhäufelung sowie Striegel (siehe Fotos 10-15). Eine  Fingerhacke soll noch dazugekauft werden. GT wird bis jetzt zwischenachs nicht verwendet sondern mit nachlaufendem vertikal Striegel.  Für die Landwirtschaft gibt es noch einen größeren Fendt.

# Bewässerung: Notbewässerung, da Brunnenbau nicht möglich (siehe Foto 5)

# Lagerung: in einem recht kühlen Raum auf alter Hofstelle, sowie Kellerraum.

# Boden: Extrem lehmiger Boden. (Bildet starke Kruste und bleibt darunter lange feucht)

2. Eigene Beobachtungen

Dieser Teil entspricht meiner Sicht auf das Projekt und muss sich nicht unbedingt mit der der Beteiligten decken.

# Die Entlohnung: 10€ pro Stunde

# Die Arbeitszeiten vor allem der Dienstschluss kann oft nicht eingehalten werden aufgrund des Arbeitsdrucks. Trotz der Übernahme des Ausfahrdienstes durch einen Ernteteiler und der in der Gärtnerei eigentlich hohen Arbeitskraft pro ha. Allerdings führt die fehlende Ausbildung bzw. Erfahrung, und der geringe/rechtzeitige Einsatz der maschinellen Hacktechnik und des Abflammens zu einem enormen Mehraufwand. Ein weiterer Faktor ist die fehlende Aufteilung von Verantwortungsbereichen in der Gärtnerei, die zur Zeit in der Hauptsache nur von einer Person vorgenommen wird. Dies führt zu einem fehlenden Widerstreiten unterschiedlicher Funktionen, oder anders gesagt es gibt keinen konstruktiven fachlichen Disput zwischen verschiedenen Positionen, in dem Prioritäten ausgehandelt werden. Die Ressource der kollektiven Intelligenz kann so nicht genutzt werden.

Zusammenfassend sehe ich hier allerdings das Grundproblem nicht im Betrieb sondern in dem strukturellen Problem, dass es nicht genügend ausgebildete Gärtner bzw. Landwirte in Deutschland zu geben scheint. Zumindest kann festgehalten werden, dass in vielen Betriebe welche gesucht werden.

# Experimente Allgemein: Wenn ich es richtig sehe ist in diesem Hof in der Gärtnerei gleich zu Beginn mit Anbaumethoden begonnen worden, die nicht in eigener Erfahrung vorher erprobt worden waren. Aufgrund der vielen Faktoren (Anderer Boden, Mulchmaterial, Schneckendruck, Niederschlagsmenge, Geräte etc…) lässt sich beim Gärtnern, nicht aus Erfahrungen gewonnenes Wissen nur schwer übertragen. Vielleicht ist es für den Aufbau einer neuen Gärtnerei wirklich erst mal empfehlenswert mit einer bei sich selbst (z.B. im Ausbildungsbetrieb) erprobten Anbaumethodik zu beginnen um die wirtschaftlich und sozial schwierige Phase des Betriebsaufbaus zu überstehen. Oder wenigstens auf einem Großteil der Fläche. Wenn der Betrieb dann läuft können Stück für Stück mehr Betriebsteile eher experimentelle Methoden verwenden.

# Die Beetlänge: Die meisten Beete haben eine Länge von etwa 60m. Für eine Bearbeitung mit Traktor schon eher knapp.

# Problem mit einzelnen Mitgliedern

Leider musste der Schellehof eine schlechte Erfahrung mit einer handvoll Mitgliedern einer Verteilstation machen. Es gab in dieser Verteilstation eine einzelne Person, die Anfing Unmut über den Hof zu äußern, der aus Sicht der Gärtner nicht nachvollziehbar war ihnen aber auch nicht direkt übermittelt wurde. So wurde z.B. behauptet es wäre über längere Zeiträume viel weniger Gemüse verteilt worden als es tatsächlich der Fall war. Außerdem wurden Unwahrheiten über die Verhältnisse auf dem Hof verbreitet.

Ein paar Mitglieder innerhalb der Verteilstation sprangen darauf an und trafen sich, wobei auf diesen Treffen weiterer Unmut durch Gerüchte geschürt wurde. Als Menschen vom Hof dann zur Verteilstation kamen um damit aufzuräumen sprach allerdings niemand die problematisierten Dinge an. Ein halbes Dutzend Mitglieder trat dort dennoch aus der Solawi aus.

# Probleme mit Förderungen:

Der Hof hatte eine Blühstreifenbezuschussung beantragt. Diese bestand darin jedes Jahre eine beliebige Fläche, die auch in der Größe variieren durfte zu bezuschussen. Nachdem das erste Jahr, in dem der Hof 3 ha als Blühstreifen hatte, vergangen war, bemerkte die EU, dass sich zu viele Bauern angemeldet hatten und beschloss, jeder müsse in den Folgejahren genau so viel Blühstreifenfläche Anbauen wie im Vorjahr und so auch in den Folgejahren. Dem Hof sind aber 3ha permanente Blühstreifen zu viel. Daher klagte Andre und durfte schließlich ohne Sanktionen aber auch gänzlich ohne Förderung raus aus dem Programm. Von der Logik her lässt sich dieses Vorgehen durch die EU Institutionen nicht nachvollziehen. Wenn nicht genügend Geld da ist müssten sie doch froh sein wenn einige Landwirte weniger Förderungen beantragen.

Zudem ist nicht einzusehen wieso Landwirte ihre Betriebsführung an Förderungspläne anpassen müssen und die EU aber umgekehrt die Förderbedingungen einfach verändern kann.

# Probleme mit dem Demeterverband: Es gab eine Änderung der Demeterhofrichtlichien nach der nur noch behornte Rinder auf dem Hof sein dürfen. Der Hof ist aber zur Zeit noch im Besitz einiger genetisch hornloser Kühe und Bullen. Da der Hof diese nicht innerhalb eines Jahres abgeben oder schlachten will besteht sogar die Überlegung aus dem Verband auszutreten. Das zweite Problem ist die Distanz zum nächsten Demeterschlachter. Den langen Transportweg will der Hof aber nicht in Kauf nehmen, da dies für die Rinder schlecht ist. Der lokale Schlachter hat allerdings kein Demetersiegel, da dort auch konventionell gehaltene Tiere geschlachtet werden. Die Richtlinie soll vor der Vermischung des Fleisches schützen. Ein Siegel kann also zwar schützen, es kann aber auch zu Dingen führen, die nicht „Sinn der Sache“ sein können. Eine zentrale Vergabe von Siegeln zeigt sich hier als kontraproduktiv. Ökologisches Verhalten kann nicht durch Siegel garantiert werden, da jeder Hof andere Bedingungen hat. Eine konstruktiv-kritische Gemeinschaft die einen Hof trägt ist ein viel besseres Kontrollinstrument.

# Fragen: Wie lösen eigentlich andere Landwirtschaftliche Solawis das Problem, dass eine rentable Landwirtschaft mehr Getreideprodukte hervorbringt als die daran hängende Gärtnerei Gemüseportionen?

 

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1. Viel Platz für mich… und für die Schafe!

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2. Da Hofstelle und Gemüseacker nicht direkt beieinander liegen, gibts die Werkzeuge im Container am Feldrand
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3. Die recht ansehnliche Mistmiete, speist sich aus dem Hofeigenen Tierdunk. Der Großteil ist Rindermist.
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4. Nach etwa einem Jahr Kompostierung ist das Stroh noch deutlich erkennbar. Ausreichend Feuchtigkeit ist vorhanden.
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5. Behelfsmäßig wird hier mit Tropfschleuchen und Wassertank bewässert. Der Acker liegt hoch. Nach der Auskunft einer Bohrfirma müsse man 150m tief graben um an das Wasser der Elbtalsole zu kommen. Der Hof liegt etwa 2 km von der Elbe entfernt. Ansonsten gibt es mittlerweile einen kleinen Tankwagen, der mittels Zapfwelle Wasser in mehrere Tropfschleuche pumpen kann, oder wahlweise auch mit 25m Kreisregnern bestückt werden kann. Angesichts des Fahraufwands haben sich die Gärtner allerdings für die wassersparende Tropfschlauchvariante entschieden
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6. ein Tag nach dem entfernen des Vlieses ist der Möhrendoppeldamm bereits oberflächlich verkrustet durch den hohen Lehmanteil. Seitlich lassen sich die Dämme jetzt noch recht bequem hacken, denn die Verschüttwirkung an den kleinen Hängen ist groß, während gleichzeitig die Möhren kaum Gefahr laufen verschüttet zu werden. Mit der Trockenheit steigt allerdings auch die Gefahr, dass sich größere Stücken lösen und die Feinsämereien in Mittleidenschaft gezogen werden.
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7. Links: Letzte Woche gepflanzte Petersilie. Rechts ein gejähtet und Hand gechackter Möhrendamm.
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8. Die Entfernung der kompletten Befließung war die erste Aufgabe als ich kam. Bis auf die Pastinaken waren alle Feinsämereien gut gekeimt. Leider auch das Unkraut, da das abflammen nicht gemacht wurde. Eine Stückelung der Aussaattermine vor allem bei Möhren ist sehr zu empfehlen, um nicht den Abflamm- und Jähteaufwand auf einmal zu haben. Das Feuchthalten des Bodens nach dem Aussähen ist bei diesem Boden unerlässlich, da die Kruste kaum einen Keim durchlässt.
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9. Zwischen Hof und Gemüseacker liegt ein kleines Waldstück vor dem einige der Mutterkühe mit ihren Kälbern grasen.
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10. Spezielle Häufelschaare für die Errichtung der Dämme
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11. ergänzend zu ihnen gibt es ein Diabolo förmiges Güttlerwalzenaggregat, welches die aufgehäufelten Dämme in einem Arbeitsgang anpresst und in Form bringt.
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12. Durch die Gretenform, kann eine Schmierwirkung an den Dammseiten verringern werden.
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13. Mit diesen Vertikalstriegeln habe ich an zwei nachmittagen die kompletten Kultursätze gehackt. Bei Feinsämereien bin ich im 2. Ackergang ohne Häufeteil, bei Pflanzkulturen im 3. Schnellgang mit Häufelteil gefahren.
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14. An den Enden Erkennt man die Abschraubbaren mini Häufelelemente. Die Breite lässt sich Stufenlos verstellen, so dass auch näher an die Kulturen gestriegelt werden kann. Konzeptionel schwach ist die für den Boden zu geringe Stabdicke. Diese verbiegen sich an Steinen und hartem Boden.
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15. ERGEBNIS: Auf Grund des zu späten Zeitpunkts des Striegelns konnte nicht das gewünschte Arbeitsergebnis erreicht werden. Das Unkraut im zwei- und dreiblattstadium wurde komplett herausgerissen oder verschüttet. Größeres war schon nach zwei Tagen wieder draußen. Hinzu kam auch die trockene Witterung, die die Kruste in Brocken herunterrollen lies anstatt die Hänge flächendeckend zu zu schütten. Ein Maschinehackgang direkt nach der Vlieswegnahme wäre ratsam bei diesem Boden. Außerdem wäre zu testen ob nicht eine der Dammform angepasstes Gänsefußhackschaar hilfreich wäre anstatt der Striegelstangen. Falls dies zu viel schmiert, könnte auch noch ein zweiter etwas tiefer liegender vertikalstriegel montiert werden. Desweiteren könnten Holschutzscheiben auf dem Damm mitlaufen, dies würde allerdings eine Aussaat mit einer Sämaschine voraussetzen. Ein gleichbleibender Abstand von 6cm zwischen den Reihen wäre so zu gewährleisten. Bei höheren Abständen steigt der Jähtaufwand auch zu späteren Zeitpunkten, da die Möhren so nicht richtig dicht machen können. Mittlerweile gibt es auch Betriebe, die Dreireihig auf die Dämme aussähen, wobei die mittlere Reihe nur die halbe Aussaatstärke bekommt.
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16. Im Sortiment hat der Schelle/Sternenhof auch eigenes Mehl, welche auch in Form von Brot und Brötchen an die Mitglieder verteilt werden. Auch Dein-Hof bezieht Mehl vom Schellehof. Mit der Anbaufläche wäre ein vielfaches an Mehlversorgungskapazität vorhanden.
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17. Mein Reflexionsplatz 😉
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18. Gurken, Die „fehlenden“ Gurken (eine andere Sorte) waren innerhalb von 7 Tagen eingegangen und hatten laut Labor nahezu alle bekannten Pilzkrankheiten
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19. „Gemulcht“ mit Sonnenblumenhäcksel. Nicht weiterzuempfehlen, da ausgefallene Beikrautsamen direkt aus dem Häcksel keimen. Die Funktion das Hacken unnötig zu machen wird nicht erreicht.  Feucht halten tut es.

Dörrapparat

Hier kurz noch ein paar Bilder von dem Dörrapparat, den ich mit zugegeben etwas größerem Aufwand in meiner Kommune in Sehlis gemauert, geschweißt, gezimmert und verkabelt habe. I hope you dry! Denn dörren bis etwa 43 Grad ist die schonenste Konservierungsvariante für Obst und Gemüse! Ich bin gespannt ob er sich bewähren kann…

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Eine innen mit Leinöl und schwarzen Farbpigmenten aus Eisenoxid geschwärzte Stahlrampe, die mit einer Glascheibe abgedeckt ist, bildet den Raum in dem sich die Luft erhitzen und dann in den Dörraparrat aufsteigen kann
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Auf dem Dach befindet sich zudem eine Solarpanele, die eine Autobatterie speist, die unter dem Apparat im Trockenen steht. Das Dach besteht aus Holzbrettern auf die ich eine dicke Lehmschicht aufgetragen habe. Dort sind die Biberschwänze mit ihren Nasen hineingedrückt. Vielleicht wird der Raum unter Rampe und Apparat auch noch verglast und verschlossen um den Wärmespeicher der Ziegelsteine noch deutlich zu erhöhen. Darum habe ich mich auch gegen einen Metallkasten als Dörrschrank enschieden. Er wird nachts zu kalt und das kondensierende Wasser würde aufs Trockengut tropfen.
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Die Kabel aus der Panele gehen zunächst in diesen Laderegler, der den Strom zur Batterie und zum Lüfter reguliert. So ist die Batterie vor einer Überladung geschützt und der Lüfter (wie in einem PC) kann sich auch ohne das die Sonne scheint noch mehrere Tage weiter drehen. Ein wichtiges Feature für einen deutschen Dörrapparat 😉 Desweiteren erhoffe ich mir von dem Lüfter, dass er die Temperatur der Rampenluft etwas verringert an heißen Tagen, denn ab 43 Grad werden Eiweißstrukturen im Dörrgut zerstörrt. Damit wäre der Apparat auch Rohkosttauglich.
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Diese mit Kettenglliedern als Scharnieren angeschweißte Tür lässt sich schön fest verrameln und hat auf der Innenseite noch eine Holzplatte, die vor allem in der Nacht etwas isolieren soll. Kühlt der Innenraum zu stark aus, kondensiert das Wasser am Trockengut und es besteht Schimmelgefahr.
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Bei geöffneter Tür lässt sich gut erkennen, wie die Rampe gegenüber in den Apparat hinein. Dadurch, dass das obere Stück der Rampe mit schwarzem Blech abgedeckt ist anstatt das eine Scheibe bis oben durchgeht kommt kaum Sonnenlicht in den Apparat hinein. Das ist wichtig, da die Sonnenstrahlen viele Vitamine und Nährstoffe zerstören. Auf diesem Bild fehlt noch das Moskionetz, dass Insekten am Eindringen durch die Wärmerampe hindert. Unten auf dem Boden ist noch eine Klappe angebracht, die in Zukunft entfernt werden könnte bei Nacht, um die warme Luft die man unter dem Dörrapparat ansammeln könnte wenn man auf den Seiten noch eine Fensterscheibe mit Lehm vormauert. Zu sehen sind auch die Armiereisen, auf denen die mit Kaninchendraht bespannten Trockenrahmen abgestellt werden können. Bei Stappelung können 20 solcher Rahmen gleichzeitig hinein. Es wird sich noch zeigen ob dies mit der Trockenleistung zu bewältigen ist.
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Blick durch das Ofenrhohr. Es ist oben auf der hinteren Seite des Apparates angebracht um einen Luftzug quer durch den Apparat zu erzeugen. Dabei helfen soll der darin eingepasste Lüfter, der permanent Luft nach oben saugt auch wenn sie kaum warm genug ist um selbst aufzusteigen. Auch das Rohr ist schwarz um das Aufsteigen der Luft zu beschleunigen.

Erster Hof meiner Reise

Der erste Hof meiner Reise war Dein Hof bei Radebeul/Dresden. Unsere Höfe verbindet bereits eine längere Bekanntschaft, da sie etwa zwei Jahre später als die Rote Beete mit der Bewirtschaftung begannen und wir durch gemeinsame Rechtsberatungstreffen in Leipzig, Hofbesuche und das Treffen unserer Solawis in der vier mal im Jahr auf einem der Höfe stattfindenden Regionalgruppe Sachsen-Thüringen, anfingen uns auszutauschen. Ich bin dort vom 11.-16.5. gewesen.

Inhalt dieses Eintrags:

1. Objektive Daten

2. Eigene Beobachtungen

1. Objektive Daten

# Fläche – Dein Hof bewirtschaftet als GbR mittlerweile etwa 3,7 ha Pachtland, wobei 2 ha gerade neu dazugekommen sind und umgebrochen wurden.

# Gärtner_Innenteam – Es arbeiten drei Gärtner_Innen, eine Azubi, und ein Bundesfreiwilligendienstleistender.

# Die Arbeitszeit der Gärtner_Innen liegt bei 30 Stunden + Mitmachtage die gegen Mindestlohn bezahlt werden. Dazu kommen noch die Kosten für das Ausfahren, dass ein Mitglied bezahlt bekommt.

# Finanziert wird alles durch vier Vollzeitstellen gegen Mindestlohn, die im Jahresetat der Kooperative veranschlagt sind. In einer Bietrunde legt jedes Mitglied seinen finanziellen Beitrag frei fest.

# Versorgt werden mit 140 Portionen über 250 Menschen.

# Besteht seit 2014.

# Organisation: Entscheidungen in der Kooperative, die über das Alltagsgeschäft der Gärtner_Innen hinaus gehen werden auf einem Plenum getroffen, dass von einer Kerngruppe aus Mitgliedern und Gärtner_Innen organisiert wird.

# Maschinisierung: ein Schlepper (kein Geräteträger) für die Bodenvorbereitungsarbeiten.

# Bewässerung: Pumpe, die permanent installierte Sprühregner mit etwa einem 4m Radius auf 200m Länge versorgen kann. Über Tage programmierbare Steuerung.

# Lagerung: in einem recht kühlen Raum des eingeschossigen Hofgebäudes. Karotten z.B. bis Mai dort lagerbar.

# Boden: Extrem sandiger Elbtalboden

2. Eigene Beobachtungen

Dieser Teil entspricht meiner Sicht auf das Projekt und muss sich nicht unbedingt mit der der Beteiligten decken.

# Die Entlohnung ist eher am Mindestlohn orientiert als einem Lohn der sich einem gesellschaftlichen Durchschnitt annähert, aber die Gärtner_innen können sich (jedenfalls mittlerweile?!)  tatsächlich an sich selbst gegebene Arbeitszeiten halten.

# Die Arbeitszeiten sind relativ fest gelegt und können durch die hohe Besetzung wohl meist eingehalten werden (3 GärtnerInnen, 1Bufdi, 1Azubi auf bisher 1,7 ha nun 2,7ha) Wochenenddienste nur bei Mitmachtagen. Die Pionierphase scheint abgeschlossen. Auch der die Übernahme des Ausfahrdienstes durch ein Mitglied entlastet die Gärtnernden.

# Es wird viel Wert auf eine Tagesstruktur gelegt in der es drei mal am Tag kurze Treffen vor einer Tafel gibt (oft nur 15 Minuten), wo getane Aufgaben abgehakt und nicht erledigte umgetragen werden. Vor allem das Treffen am Ende des Tages kann von seiner Wirkung her das Bedürfnis gegenseitiger Wertschätzung erfüllen. Dieses Potential wäre bedenkenswert, zudem ist durch ein derartiges Ritual auch ein gemeinsamer Feierabend zelebrierbar.

# Die Gegebenheiten der Hofstelle verstärken diese klare Trennung von Tageswerk und Feierabend. Es gibt dort eine Küche die Mittags gemeinsam genutzt wird, ein Werkzeuglager, eine Umkleide und einen Büroraum. Keine/r aus dem Gärtner_innenteam lebt dort.

# die „geringe“ Maschinisierung, kann durch die oben erwähnte hohe Arbeitskraftdichte (bisher ca. 2AK/ha), die extrem gute Anbindung zur Stadt Dresden durch 2 nahe gelegene Bahnhöfe und die relativ hohe Beteiligung der Mitglieder, und den leichter zu bearbeitenden Sandboden abgefangen werden.

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Arbeit mit dem Reihenzieher im lockeren schnell abtrocknenden Elbtalsandboden

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Der letzte Lauch Mitte Mai geerntet, nur vereinzelte Schosser bei denen der Blühreiz einsetzte. Links daneben ein einmalig mit dem Schlepper gegrubbertes Beet, dank des leichten Bodens ist kein weiterer bodenvorbereitender Arbeitsschritt notwendig.

# Eine ausreichende Varietät des Gemüsesortiments kann durch das überraschend kühle Lager (ohne Keller/ Kühlzelle) und die hohe Qualifikation der Gärtnernden auch Anfang Mai angeboten werden (Lagergemüse Anfang Mai: Pastinake, Steckrüben, Sellerie, Kartoffeln, Möhren. Hoffentlich nichts vergessen…)

# Teamdynamik: von der anfänglichen Besetzung sind noch immer zwei Gärtner_Innen dabei. Andere sind gekommen und gegangen. Zwischen den Gründungsgärter_innen gab/gibt es einen Konflikt. Ohne die persönlichen Elemente des Konflikts weiter einzubeziehen lassen sich doch zwei Konfliktfelder beschreiben, von denen ich hier die zwei Pole benenne zwischen denen sie sich aufspannen, denn sie dürften auch für andere Solawis interessant sein:

1.Der Blick auf die Sicherung des täglichen Betriebsablauf, sowie Wahrung juristischer Vorgaben und ökonomischer Sicherheit stehen dem Wunsch nach gärtnerischem und sozialpolitischem Experimentieren entgegen.

  • Beides sind ganz „natürliche“ Positionen die in einem Betrieb mit gesellschaftspolitischen Ambitionen besetzt sein müssen wenn er dauerhaft funktionieren soll. Ein reines Experiment kann schnell zu Grunde gehen (Beispiel: Extrem risikoreich lauter neue Methoden auf einmal einsetzen und eine mindest Gemüsemenge nicht zur erreichen, so dass zu viele Mitmacher abspringen, da sie doch nicht aus reinem Idealismus dabei sind, sondern auch weil sie Hunger haben. Oder Überarbeitung und Burnout der Gärtner_innen durch nicht abschätzbaren Arbeitsaufwand neuer Methoden) und ein auf Sicherheit aufbauender Betrieb gehört hingegen schnell zum Establishment, verliert seine Strahlkraft in die Gesellschaft und auch bald die Menschen, die ihm aus Interesse beitreten. Denn ein reiner „Versorgungsdienst nach Plan“ mag bald wenig befriedigen oder begeistern, auf Seiten der Gärtnernden und der Mitglieder. Es handelt sich also um einen nicht langfristig lösbaren Konflikt. Es muss darum gehen die Wichtigkeit des Erhalts der Positionen beider Seiten für den Weiterbestand der Organisation allen Teammitgliedern bewusst zu machen und ihre Vertreter eben als Verteidiger oder Rollenträger dieser Pole zu erkennen und Wert zu schätzen. Wenn diese Wertschätzung sich dann gegenseitig auch noch ausgesprochen wird, dann sollte dem gelegentlichen Aushandeln einer fruchtbaren Synthese aus beiden nichts mehr im Wege stehen.

2. Der Wunsch nach einem gemeinsamen Überschauen und durchsprechen der Aufgaben stehen dem Autonomiegedanken gegenüber, welches sich beispielsweise in einer klaren Umreißung von Verantwortungsbereichen nach Kulturen äußert um in Ruhe vor sich hin zu arbeiten. Letzteres Modell scheint sich gerade gegenüber dem Modell durchzusetzen Verantwortlichkeiten nach kulturenübergreifenden Aufgabenbereichen aufzuteilen (z.B. Schädlinge, Düngung etc…).

  • Wenn ich es richtig verstanden habe verbindet die eine Seite die Hoffnung sich weniger Abstimmen zu müssen und freier Handeln zu können mit der Einführung der Kulturverantwortlichkeit. Dies könnte in einem in der Hauptsache auf Handarbeit ausgelegten Betrieb wie in diesem Falle schon eher funktionieren, als in einem wo z.B. die wöchentlich anfallenden Hackarbeiten mit dem Geräteträger ausgeführt werden und dann natürlich möglichst alle „fälligen“ Kulturen in einem Gang erledigt werden, oder wo die Bewässerung einer Kultur auch immer die der Nachbarkulturen bedeutet wegen der größeren Regner.  Eine Minimierung des Abstimmungsaufwands im Team ist ein nachvollziehbarer Wunsch.
  • Ich stelle mir an dieser Stelle allerdings die Frage welche Bedürfnisse oder Funktionen der Organisation tatsächlich hinter dem „gemeinsamen Überschauen“ und dem „Autonomiegedanken“ stecken. Es liegt auf der Hand, dass jede Organisation ein Gleichgewicht zwischen individueller Autonomie und einem Überblick über das Ganze finden muss. Eine höhere Arbeitsteilung durch autonome Kulturverantwortlichkeitsbereiche kann sicherlich die individuelle Autonomie im Alltagsgeschäft erhöhen, sie erfordert aber auch ein klare Verständigung über die gemeinsamen Ziele beim Anbau (z.B.: Ertragssichherheit oder Innovativität, geringer Arbeitskraftbedarf oder höherer Qualitätsanspruch). Diese Zielsetzungen haben nämlich letztlich Folgen, die die Organisation als Ganzes tragen muss und die Bereitschaft dazu kann eben nur gegeben sein, wenn es vorher eine Einigkeit über die (ggf. unterschiedlichen) Zielsetzungen gab. Das soll nicht heißen, dass jede Kulturführung das gleiche Ziel haben muss. Aber wenn der Eine beispielsweise gerne ein gewagtes, evtl. viel Arbeitskraft fressendes Experiment mit seiner Kultur machen will während andere sich damit beauftragt fühlen „die Kartoffeln im Keller zu haben“ geht das nur gut wenn es auch so vereinbart wurde. Was ich damit sagen will: Wenn es um eine Vermeidung von Kommunikation über konfliktreiche Themen geht, ist die Arbeitsteilung mittel- und langfristig auch kein Weg. Das unter 1. beschriebene Spannungsfeld lässt sich so jedenfalls nicht auflösen und die unterschiedlichen Rollen reiben sich latent weiter aneinander.
  • Meine Empfehlung: Weitere Schritte könnten sein sich mit den Ängsten und Bedürfnissen eines Mitglieds der Organisation und den strukturellen Notwendigkeiten dieses selbstverwalteten Betriebes, die hinter dem Verlangen nach einem gemeinsamen Überblick stecken können genauso auseinanderzusetzen, wie mit denen, die hinter dem Autonomiegedanken stecken. Die Rollen und Funktionen die die einzelnen einnehmen müssen erörtert und klar gemacht werden, dann kann zwischen ihnen vermittelt werden.

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Neu angelegte Agroforstfläche wenige km südlich von Riesa am Elberadweg bevor ich zu Dein Hof kam. Breite Hecken mit Bäumen trennen die Beete voneinander.

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Unterwegs zu meiner nächsten Station, dem Schellehof in Struppen: Ein Weingut am Elberadweg, wenige km südlich von Dresden.